Plastik ist eines der größten Probleme unserer Zeit, das ist inzwischen allgemein bekannt. Trotzdem fällt es noch immer schwer, es aus unserem Alltag wegzudenken. Wie auch? Wenn in den Super­märkten beinahe alles in Plastik verpackt ist und man sich in der Gemüseabteilung regelmäßig die Frage stellen muss: Pestizide oder Plastik?

Denn gerade der große Vorteil, den Kunststoff mit sich bringt und warum er so beliebt wurde – seine Langlebigkeit – wird uns nun zum Verhängnis. Unse­re Verpackungen von heute werden noch vier bis fünf Generationen später unter uns weilen. Wenn wir längst in Vergessenheit geraten sind, ist es unser Verpackungsmüll noch nicht.

Und auf seinem Weg der Zersetzung in zig Mikroplastikteile richtet er enorme Schäden an. Jedes noch so kleine Teil wird zum Magneten für Chemikalien wie Quecksilber und Pestizide, zum Mörder und Verschmutzer. Unsere Meere sind zur Müllkippe geworden und gleichermaßen zum Friedhof – von dem wir dennoch genüsslich essen.

Warum nicht einfach den ganzen Verpackungsmüll verbrennen? Die Frage mag sich der eine oder andere bereits gestellt haben. Ein kleines Feuer und schwupps, ist das Plastik ver­schwunden und landet nicht im Magen eines Wals oder wird zum Schildkrötentöter. Aus den Augen, aus dem Sinn – so einfach ist es leider nicht. Wer als Kind mal einen Plastikdeckel in einer Kerzenflamme verkokeln lassen hat, wird sich an den Geruch erinnern, der da­durch entstand, und der war sicherlich alles andere als angenehm.

Die „Natur“ des Kunststoffes und die Folgen des Verbrennens

Es gibt verschiedene Arten von Plastik und jede Art setzt sich aus diversen chemischen Stoffen zu­sammen, Substanzen, die das Material weich und elastisch machen, und konservierende für die lange Haltbarkeit. Verbrennt man diese, gelangt folglich eine Menge giftige Stoffe in die Luft und somit in die Atemwege von Mensch, Tier und Pflanzen. So sind es nicht „nur“ die Meeresbewohner, für die unser Plastikmüll eine Gefahr bedeutet, es ist nicht „nur“ die Umwelt, die verschmutzt wird, oder gar eine Frage der Ästhetik, ob es den Surfer stört, sich zwischen Plastiktüte und Käseverpackung seinen Weg zur nächsten Welle zu bahnen, nein, auch unsere Gesundheit leidet. Und wenn die nicht wichtig ist, was ist es dann?

Wird beispielsweise PVC verbrannt, werden, je nach Temperatur, Chlorwasserstoffe, Dioxine und Aromaten freigesetzt und was sonst noch so bei der Herstellung beigemischt wurde. Diese Chemikalien sind hochtoxisch und werden dann von uns eingeatmet. Man erinnere sich an das Sevesounglück von 1976, das unzählige Pflanzen und Tiere tötete, zahlreiche Menschen aus ihren Häusern vertrieb, ins Krankenhaus brachte und gar Schwangerschaften beendete. Aromaten sind zudem hochgradig krebserregend.

Bei PET-Flaschen entsteht ein Gemisch aus unter anderem Kohlendioxid (oder auch CO2) und Kohlenmonoxid. Ersteres fördert die Klimaerwärmung und sorgt für das Schmelzen des Eises der Polargebiete und weltweit für Dürre. Wem also die vergangenen Som­mer in Deutschland bereits zu heiß waren – diese Hitzeperioden waren nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns bevorsteht, wenn wir den Klimawandel nicht mehr abmildern können. Letzteres ist äußerst giftig für unsere Atemwege und gelangt durch Verbrennen direkt in unseren Körper. Die Folgen: tödlich.

Bisphenol A (oder auch BPA) befindet sich in Konservendosen und anderen Lebensmittelverpackungen. Werden diese erhitzt, entfaltet der Stoff in unserem Körper eine ähnliche Wirkung wie Östrogen. Diabetes ist nur eine Folge davon, eine andere sexuelle Störungen wie Impotenz. Auch unerhitzt ist BPA alles andere als gesund, in der EU aber dennoch zugelassen, außer für Babyfläschchen. Ähnlich verhält es sich mit Phthalaten, die sich in Plastikgeschirr, Folien und anderen Lebensmittelverpackungen wiederfinden. Diese entweichen dem Plastik besonders schnell, sind krebserregend und gefährden darüber hinaus auch die Fortpflanzung. Allerdings sind diese Stoffe bislang nur in Babyspielzeug verboten – zumindest in der EU, weshalb es sich beim Kauf eines Geschenks durchaus lohnt, einmal nachzusehen, wo das Spielzeug hergestellt wurde. In Asien beispielsweise sind die Grenzwerte wesentlich großzügiger als bei uns.

Müllverbrennungsanlage Oberhausen (Bild: falco / pixabay)

Die Macht des Einzelnen

Das Verbrennen unseres Plastikmülls ist deshalb keine Lösung. Natürlich gibt es Müllverbrennungsanlagen, doch die sind nicht dafür, sondern für andere Stoffe gedacht. Durch falsches Trennen landen dort allerdings regelmäßig Kunststoffe, die eigentlich hätten recycelt werden sollen und für deren Inhaltsstoffe die Filter der Anlagen nicht ausgerichtet sind. In diesem Punkt kann also jeder Einzelne mithelfen und sicherstellen, dass der selbst produzierte Plastikmüll im richtigen Container landet.

Trotz aller Risiken werden Kunststoffe aber auch bewusst verbrannt – als Alternative zum Transport in Länder wie China, wo unser Müll dann ebenfalls verbrannt oder im Meer entsorgt würde. Keine Lösung also, sondern nur eine Verlagerung des Problems.

Die Verpackung des Grillfleischs oder gar die Bierdose im Lagerfeuer zu entsorgen, ist also alles andere als gut für unsere Umwelt und die eigene Gesundheit – insbesondere, weil man damit nicht nur sich selbst schadet, sondern auch seinen Mitmenschen. Die Schadstoffe landen in der Luft, die auch in kilometerweiter Entfernung noch eingeatmet wird. Bloß die richtige Richtung des Windes abschätzen, hilft nicht, sich den in die Luft entlassenen Schadstoffen zu entziehen.

Was wirklich und einzig hilft – und je mehr mitmachen, desto einfacher wird es – ist, auf Plastik zu verzichten. Jeder noch so winzig kleine Schritt hilft – sei es, den Stoffbeutel mit in den Supermarkt zu nehmen, die Äpfel beim Obsthändler lose in die Tasche zu packen oder beim Cocktail in der Bar auf einen Strohhalm zu verzichten. Einer Schildkröte ist es gleich, wie viele wir davon trinken, für sie ist es bereits ein einziger, der den Tod bedeuten kann.

Loses Obst (Bild: Fabila Penalba / Unsplash)

Auf das Wohin-Damit unserer Plastikberge gibt es bislang keine zufriedenstellende Antwort und die Chancen, eine zu finden, ehe unser gesamter Planet zur Müllhalde wird, stehen mehr als schlecht. Doch das ist kein Grund, die Sache noch zu verschlimmern und stattdessen unsere Gesundheit und die von Tieren und Pflanzen zu zerstören. Die meisten Menschen lernen den Wert ihrer Gesundheit erst dann zu schätzen, wenn sie sie nicht mehr haben, doch angesichts der vielen Probleme, die Plastik bereits mit sich gebracht hat und es täglich tut, sollten wir mit dem Handeln nicht erst anfangen, wenn es bereits zu spät ist.

Daniela Tannebaum arbeitet als freie Lektorin und Übersetzerin. Nach ihrem Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie lebte sie einige Jahre in Irland und den Niederlanden und arbeitete unter anderem im E-Commerce, Marketing und als Texterin. Seit 2008 ist sie selbstständig. Zu ihren Hauptinteressen gehören Literatur, Sprachen, Reisen, Nachhaltigkeit und Tierschutz.

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